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Respekt kommt von innen

"Respekt muss man sich verdienen", so heißt es im Volksmund. Das klingt fast so, als gäbe es Menschen die Respekt nicht verdienen bis sie etwas bestimmtes getan haben.

 

Aber: Haben nicht alle Menschen Respekt verdient? Die Kellnerin, der Busfahrer, der Flüchtling, die ältere Dame mit ihrem Rollator und auch der Kriminelle genauso wie der Manager, Intellektuelle oder Geistliche? Die Antwort ist klar: Ja, alle Menschen haben es ausnahmslos verdient respektvoll behandelt zu werden. Nicht nur das: Alle Menschen haben ein Recht auf einen respektvollen Umgang. Und niemand hat das Recht einen anderen Menschen respektlos zu behandeln. Wie aber gelingt ein respektvoller Umgang?

  

Respekt in seiner Vielfalt

Wie sich Respekt äußert ist von der Vorstellung darüber abhängig und diese kann kulturell bedingt stark von anderen Vorstellungen abweichen. In manchen Kulturen wie der arabischen Welt, ist es respektlos ein angebotenes Getränk abzulehnen oder man verbeugt sich in Japan voller Respekt zur Begrüßung, statt die Hand zu reichen.

 

In unserer Kultur zeigt sich Respekt im Verhalten - unterschiedlich motiviert - in verschiedenen Varianten:

  1. Höflichkeit
  2. Anerkennung
  3. Autorität
  4. Angst
  5. Toleranz
  6. Vorsicht
In diesen äußeren Formen (Verhalten zeigt sich im Äußeren) kann man einer Variante des Respekts begegnen, wahrhaftiger Respekt aber findet im Inneren statt. Wahrhaftiger Respekt ist eine innere Haltung, die aufrichtig ist, frei von Einflüssen die zu Angst oder Mistrauen (Vorsicht) führen. Respekt kommt von innen.

Eine Jahrtausende alte Leier

Die Debatte um den Respekt wird schon seit einer Ewigkeit geführt. Ältere beklagen sich über fehlenden Respekt bei Jüngeren. Eine Jahrtausende alte Leier. 

Sokrates, ein griechischer Philosoph, lebte 469 v. Chr. bis 399 v. Chr. und beobachtete damals schon:

 

"Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer."

 

Die Problematik, dass es der Jugend mindestens seit 2000 Jahren an Respekt mangelt entsteht immer wieder, weil die Kritiker dessen in ihrer Erwartungshaltung - ohne böse Absicht - hängen gelassen werden. Menschen neigen seit jeher offenbar dazu Respekt zu erwarten, weil sie der Meinung sind, sie hätten ihn verdient. Wenn dieses Bedürfnis dann nicht befriedigt wird, macht sich Frust breit. Was aber wenn der Mensch von Generation zu Generation versäumt hat der Jugend eine wahrhaftig respektvolle Haltung vorzuleben? Was, wenn es nicht nur an der Jugend liegt, wenn der Respekt ausbleibt?
Respekt und Liebe gehören zusammen
Respekt in seiner ganzen Tiefe ist bedingungslos, ähnlich wie Liebe. Respekt und Liebe sind daher eng miteinander verbunden. In unserer Gesellschaft mangelt es oft an wahrem Respekt, weil es an Liebe mangelt und umgekehrt.
Im Buddhismus bedeutet Liebe: Wollen, dass andere glücklich sind. Das Gegenteil wäre: Wollen, dass andere unglücklich sind. Natürlich lieben wir unseren Chef in der Regel nicht so wie wir unseren Partner lieben, aber wenn wir es zulassen, empfinden wir sogar für die unausstehlichste Person eine liebende Freundlichkeit. Dies bringt uns zu einer respektvollen Haltung unabhängig davon ob wir das Verhalten des anderen immer gut heißen oder nicht. 
Es gibt zweifelsohne eine Erkenntnis über Respekt und darüber sind sich die Gelehrten, die Wissenschaftler und Wikipedia einig: Respekt bedeutet ein anderes Lebewesen wertzuschätzen. Egal woher es kommt, wohin es geht, wer oder was es ist, was es getan oder nicht getan hat.  Es ist im Grunde eine wertschätzende Haltung gegenüber dem Leben selbst, ohne zu bewerten.
Wertschätzung ist wiederum ebenfalls stark verbunden mit Liebe. Der Psychotherapeut Dr. Dr. med. Herbert Mück spricht in seinem Artikel über Wertschätzungskompetenz von der "Liebe als mächtigste Form der Wertschätzung". Daraus ergibt sich, dass die höchste Form von Respekt durch Liebe erreicht werden kann.
Respekt beruht auf Gegenseitigkeit
Das Bedürfnis nach Respekt ist menschlich. Interessant ist es aber zu beobachten woher das Bedürfnis genau kommt. Wenn das Ego im Vordergrund steht, geht es dem Menschen darum eine Variante des Respekts, die Anerkennung, zu erhalten. Gleichzeitig ist der Mensch aus dieser Erwartungshaltung heraus nicht in der Lage respektvoll zu sein, weil es nur darum geht etwas zu bekommen. Dieses Bedürfnis nach Respekt im Sinne von Anerkennung, entsteht aus einem Mangel an Liebe. Der Mensch fühlt sich nicht ausreichend beachtet und geliebt und versucht den Mangel auf diesem Weg auszugleichen. Was fehlt sind Achtsamkeit und Mitgefühl für sich selbst und andere.
Was aber wenn wir statt dessen mehr Zeit und Energie dafür aufbringen zu lernen wahrhaftigen Respekt für andere zu empfinden? Möglicherweise eröffnet sich dadurch eine ganz neue Welt. Weg vom Ich zum Du und zum Wir.
Wer respektiert werden möchte, muss zum einen erkennen, dass dieses Bedürfnis möglicherweise daraus entstanden ist, dass ein Mangel ausgeglichen werden soll und zum anderen, dass der Schlüssel darin liegt sich selbst und andere zu respektieren. Erst wenn man sich selbst respektiert, kann man dafür sorgen, dass man von anderen respektiert wird. Genauso muss man lernen mit anderen wahrhaft respektvoll zu sein, da man nicht erwarten kann Respekt zu erfahren, wenn man selbst respektlos ist.  
Klingt ähnlich wie: Nur wer sich selbst liebt ist auch fähig andere zu lieben. Oder: Nur wer sich selbst liebt, kann von anderen geliebt werden. Und damit landen wir nicht zufälligerweise wieder bei der Liebe.
Bei all dem darf man jedoch nicht vergessen:
Für das Gelingen eines respektvollen Umgangs braucht es gewisse Voraussetzungen. Hat man es mit Menschen zu tun, die unter keinen Umständen in der Lage sind respektvoll zu sein z.B. aufgrund von psychischen Störungen, mag es sinnvoll sein sich respektvoll zu distanzieren und selbstverantwortlich dafür zu sorgen, dass eine ähnliche Situation nicht mehr auftritt.
Man darf sich jedoch nicht entmutigen lassen, denn es gibt genug Menschen da draußen die dieses Geschenk zu schätzen wissen.
Fazit:
Respekt tritt in verschiedenen Varianten auf. Wahrhaftiger Respekt unterliegt keinem Einfluss von außen. Wahrhaftiger Respekt ist bedingungslos und kommt von innen. 
Die Liebe zu sich selbst und zu anderen ist die Basis für einen respektvollen Umgang. Wenn wir wirklich verstanden haben, wie wahrhaftiger Respekt entsteht und aussieht kann er existieren. 
Menschen die fehlenden Respekt in unserer Gesellschaft beklagen, beklagen in Wirklichkeit unbewusst einen Mangel an Liebe. Beklagen hat aber wohl noch niemanden ans Ziel geführt.
Mahatma Gandhi hat es wunderbar formuliert: "Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt."

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